Und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes. (Apg 6,5b)

Schon im Urchristentum gab es Wahlen. Gemeinsam mit sechs weiteren Männer wurde Stephanus von der Jerusalemer Urgemeinde gewählt, um sich als Diakone in Dienst der Gemeinde zu stellen.


So wie Christen in Jerusalem damals, so sind auch wir heute aufgerufen zum Wählen, und das gleich doppelt: die Leitung unserer Gemeinden Westgartshausen und Goldbach, unsere Kirchengemeinderäte, und die Leitung unserer Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die Landessynode, werden neu besetzt.


Wen sollen wir wählen? Wer ist die geeignete Person für ein solches Amt? Welche Fähigkeiten werden gebraucht?


In Jerusalem wählten sie eben beispielsweise Stephanus, „einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes“. Ein guter Mann. Aber er war nicht der Einzige, er war einer von sechs.


Wenn wir die zwölf Apostel ansehen, so ist es auch eine Gruppe von ganz verschiedenen Persönlichkeiten, die zwar nicht von der Gemeinde gewählt, dafür aber von Jesus berufen wurden.


Von Arzt, Fischer bis Zöllner, arm, reich, bedächtig, still, vorpreschend oder kampferprobt – alles war dabei und alle waren wichtig bei Jesus. Jeder wurde gebraucht, mit seinen Gaben, mit seinem Wesen. Und auf die Frage, wer am wichtigsten sei, macht Jesus deutlich: Das ist immer der, der sich mit seinen Fähigkeiten in den Dienst des anderen stellt.


So scheint es gut zu sein, dass auch in unseren Kirchengemeinden nicht einer oder eine das sagen hat, sondern „der Kirchengemeinderat und die Pfarrerin / der Pfarrer gemeinsam die Kirchengemeinde leiten (Kirchengemeindeordnung §16). Und so wird jeder und jede eben mit seinen Fähigkeiten im Kirchengemeinderat gebraucht. Und wir sind dankbar für die, die sich bereit erklärt haben, sich hier in den Dienst für andere zu stellen und für dieses Amt kandidieren.


Ich denke wohl, dass der Glauben hierbei eine wichtige Rolle spielt. Schließlich ist es ihre Aufgabe „dabei mitzuhelfen, dass das Evangelium von Jesus Christus (…) aller Welt verkündigt wird“ (§34 Wahlordnung). Aber wichtig ist auch: Jeder hat seinen eigenen Glaubensweg, jede ihre eigenen Erfahrungen mit Gott. Jeder hat da seine Gedanken, und auch Zweifel und Bedenken.


Dass auch die zum Glauben gehören und wichtig sind, manchmal Weg weisend – das zu bedenken lehrt uns auch die Jahreslosung für das neue Jahr 2020:


„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)


Mit ihr wollen wir für die Kandidierenden und für uns alle beten, auf dass der uns in unserem Amt und in unserem Leben helfe, der Himmel und Erde geschaffen hat, und mit dem alles möglich ist.


Herzliche Grüße und eine gute Wahl!
Ihre Pfarrerin Inga Keller

 

So wird gewählt!

Jede Stimme zählt! – darum kommen Sie zur Wahl am 1. Dezember 2019. Es werden in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg rund 10.000 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte sowie 90 Landessynodale gewählt. Hier erfahren Sie alles Wichtige zur Wahl:


Wer darf wählen?
Alle evangelischen Gemeindemitglieder sind wahlberechtigt, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben und deren Hauptwohnung im Bereich der württembergischen Landeskirche liegt. Wer nicht in der Gemeinde des Hauptwohnsitzes wählen will, muss dies beim Pfarramt beantragen.


Woher weiß ich, dass ich wählen darf?
Alle Wahlberechtigten sind in der Wählerliste beim geschäftsführenden Pfarramt eingetragen. Bis 24.11. erhalten alle Wahlberechtigten ihre Wahlunterlagen.


Wo wähle ich?

Wahlberechtigte können am 1.12.2019 ab nach dem Gottesdienst ihre Stimme im Wahllokal in WESTGARTSHAUSEN von 10.00-16.00 Uhr im Gemeindehaus und von 16:15 -17.00 Uhr in der Turn- und Festhalle abgeben.


Wahl zur LANDESSYNODE – Was ist das überhaupt?
Die Landessynode ist die gesetzgebende Versammlung der Evang. Landeskirche in Württemberg. Die Aufgaben ähneln denen eines Parlaments. Sie entscheidet über kirchliche Gesetze und den kirchlichen Haushalt. Außerdem wählen die Mitglieder der Landessynode (Synodale) den Landesbischof.
Sie besteht aus 30 Pfarrer/innen und 60 Laien, die alle sechs Jahre direkt von den Gemeindegliedern in einer Urwahl (einmalig für die Evang. Kirchen in Deutschland!) gewählt werden. So auch am 1. Advent 2019!
In der Landessynode gibt es, ähnlich den politischen Parteien in den Parlamenten, aber ohne Fraktionszwang, die sogenannten Gesprächskreise: „Lebendige Gemeinde“, „Offene Kirche“, „Evangelium und Kirche“ und „Kirche für Morgen“.
Die erste Synode wurde übrigens 1869, also vor genau 150 Jahren, einberufen und hat für mehr Eigenständigkeit gesorgt.