Was für ein Vertrauen!

Ich war vom 20-23. Juni 2019 in Dortmund auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag. Das diesjährige Motto lautete: „Was für ein Vertrauen“ – Worte aus dem 2. Königebuch.

 

Das Thema scheint mir gut gewählt zu sein. Auf vielen Ebenen scheint unser Vertrauen angegriffen zu sein, verloren zu gehen, wird ersehnt und gesucht. Es wird missbraucht – vom Enkeltrick und für den eigenen Vorteil. Vertraute Regelwerke, bisher vertrauensvolle Institutionen und Systeme sind in Frage gestellt, aber auch Beziehungen scheitern an ihrer Verlässlichkeit. Wie geht es weiter? Weltwirtschaft? EU? Klima? Kriege und Krisen? Mein Leben? Dein Leben? Vieles ändert sich, die Zukunft wirkt unübersichtlich und unsicher.

 

Ich frage, was sollen wir tun? Wie sollen wir uns verhalten, wie können wir die Welt aktiv mitgestalten und nicht nur reagieren oder Schwieriges ausblenden?

 

Ich komme zurück zum Motto des Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ und frage mich: Fehlt da nicht ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen? Ich denke nein.

 

Schon die biblische Geschichte aus dem 2. Königebuch hält die Ambivalenz von Vertrauen offen. Es ist eine Kriegsgeschichte ohne einfache Lösung. König Hiskia kann eigentlich nur verlieren, sein Gegner ist in der Übermacht, seine Koalitionspartner selbstbezogen oder schwach, sein Volk weiß nicht mehr was es glauben soll. Doch eines ist gewiss: Gott ist treu und weist den Weg. Daran hält er fest und dies verändert alles.

 

Mit dem Logo des Kirchentages möchte ich Sie zum Wagnis Vertrauen einladen:
Der Mensch lässt sich von den Ballons tragen. Er weiß: Es gibt vieles und viele, die mich tragen.
Wohin die Reise geht, weiß er noch nicht. Aber er ist offen, lässt sich mitreißen, ist bereit für Neues, für Beziehungen, Orte, Lebensabschnitte, für das, was Gott mit ihm vorhat...

 

Könnte ich das auch?

Das Logo des Kirchentages lädt ein zum Nachdenken.

 

Wenn wir uns den Menschen auf dem Bild anschauen, seine Bewegung nachmachen – so tun, als ob wir einen riesigen Luftballon an einer Schnur halten würden. Was passiert? Dann richten wir uns automatisch auf, richten uns aus, öffnen uns, der Blick geht nach oben, ...

 

Für mich waren die Tage auf dem Kirchentag ein solches Erlebnis, das ich gerne weitergeben möchte.
Zu spüren „Was für ein Vertrauen“ in neuen Begegnungen und bei Altbekannten, bei biblischen Impulsen, Konzerten und Alltagsgesprächen zu finden ist und wie einen dies auf- und wieder neu ausrichten kann! Neuen Mut und neue Kraft gibt.

 

Was richtet Sie auf, neu aus?

Können wir uns gegenseitig aufund ausrichten?

 


Vertrauensvolle Grüße,

Pfarrerin Inga Keller