WORAUF BAUEN WIR?

Liebe Schwestern und Brüder,


diese Frage haben die Frauen aus Vanuatu zum diesjährigen Weltgebetstag gestellt. Mich lässt die Frage nicht los. Worauf bauen wir? Woran orientieren wir uns? Worauf verlassen wir uns? Wo finden wir Halt?


Wir haben hier lange in Wohlstand und Frieden gelebt. Ich habe nie etwas anderes erlebt. Vielleicht ist es wie in dem Gleichnis, das Jesus erzählt: Zwei Männer bauen beide ein Haus – der eine am Strand, auf dem Sand, wo es ihm gefällt. Der andere baut auf dem Felsen, muss dazu mühsam das Baumaterial herantragen. Er hat den weiteren Weg zum Strand, aber vielleicht dafür die schönere Aussicht. Doch darum gehts nicht. Vielmehr darum, was passiert als ein Sturm aufkommt. Dem ersten schwemmt es den Sand weg, zieht es quasi den Boden unter den Füßen weg. Mit dem Sturm hat er nicht gerechnet. Er hat kein Halt in der Krise. Der andere hat auf festen Grund gebaut. Sein Haus bleibt stehen. Ihn haut der Sturm nicht um.


Die Schwierigkeiten, von denen die Frauen aus Vanuatu erzählen, haben mich sprachlos bzw. nachdenklich gemacht: Könnte ich, wenn ich aus Armut nichts lernen könnte, als unnötige Esserin von der Familie auf die Straße gesetzt würde oder ohne Perspektive mein Leben meistern müsste, auf Gott vertrauen? Darauf vertrauen, dass er mir hilft, mich hält? Ich weiß nicht, ich mag mir schon die Not nicht vorstellen …


Viele sind durch die Pandemie in nie/lange nicht dagewesene Notlagen gekommen. Rücklagen sind aufgebraucht und es fehlt jede Perspektive. Uns alle schränkt Corona ein, wir spüren wie es an unseren Nerven zerrt, unsere Kräfte aufbraucht. Der Sturm tobt. Hier bei uns irgendwie besonders stark. Er scheint nicht aufhören zu wollen, die Zahlen steigen. Haben wir noch Halt? Worauf bauen wir? Wo finden wir Halt, dass uns Corona oder andere Lebenstürme nicht den Boden unter den Füßen wegziehen?


Die Frauen aus Vanuatu haben mir mit ihrem Gottvertrauen Mut gemacht. Und ich glaube genau das brauchen wir. Menschen die einander Mut machen. Wo einem das Haus weggeschwemmt wird, braucht er das Glaubenshaus einer anderen! Selbst Jesus bat die Jünger im Garten Gethsemane für ihn zu beten.
Darum lasst uns immer wieder neu darüber nachdenken, worauf wir bauen, miteinander und füreinander glauben, beten, da sein.


Ihre Pfarrerin Inga Keller