Neue Perspektive für das Jugendwerk

Crailsheim / Ute Schäfer/Hohenloher Tagblatt 18.02.2019

Die Synode des Kirchenbezirks Crailsheim am Samstag hatte ein wichtiges Thema: die Jugendarbeit. Aber es ging auch noch um mehr.

Die Frühjahrssynode ist die Themensynode", sagte deren Vorsitzender, Dr. Konrad Wetzel, als er die rund 50 Anwesenden am Samstagvormittag im Johannes-­Gemeindehaus in Crailsheim begrüßte. Das Thema lautet diesmal "Jugendarbeit", beziehungsweise "evangelisches Jugendwerk Crailsheim (EJCR)". Das lag noch bei Dienstantritt der Dekanin vor gut zwei Jahren ziemlich brach. Eine der ersten Amtshandlungen von Friederike Wagner war es deshalb, hier einen Prozess der Erneuerung einzuleiten und diesen vom Landesjugendwerk betreuen zu lassen. Dazu war Landesreferentin Ilse-Dore Seidel aus Stuttgart angereist, um über den Prozess zu berichten, der so hieß: „Perspektiven entwickeln“.

Perspektivwechsel ist nötig

"Wie arbeiten wir denn in der Regel", fragte sie die Mitglieder der Bezirkssynode, also meist Pfarrer und Kirchengemeinderäte. "Alleine oder im Zusammenwirken?" Und wichtiger noch: "Wo wollen wir hin?" Hier sei ein Perspektivenwechsel wichtig. "Wir denken bei Prozessen vom Ziel her", das für das Jugendwerk Crailsheim so hieß: "Wir hatten uns gewünscht, dass mindestens fünf Gemeinden und ein Team auf Bezirksebene gemeinsam am Fortkommen der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk Crailsheim arbeiten." Eine Task-Force sozusagen, die sich aber leider nicht gefunden habe. "Deshalb haben wir den Prozess vorzeitig abgebrochen", bedauerte die Referentin.

Doch deshalb ist das Jugendwerk nicht tot, das zeigte der Bericht der Jugendreferenten Cameron und Silvia Conrad, die die Geschäftsstelle in der Bergwerkstraße zusammen mit Inga Heine mit Leben füllen. "Doch das ist nicht unsere Hauptaufgabe", sagte Cameron Conrad, der mit seiner Frau vor einem knappen Jahr in Crailsheim angefangen hat. "Wir sehen uns vor allem als Unterstützer, als 'Betriebssystem' für die Jugendarbeit in den Kirchengemeinden."Jungscharen in den einzelnen Gemeinden könnten sie freilich nicht - oder nur in Ausnahmefällen leiten. "Dazu sind wir mit drei Hauptamtlichen zu wenig. Aber wir können Projekte anregen und organisieren, die Gemeinden alleine nicht schaffen. Das Jungscharlager zum Beispiel oder das Konficamp." Dies sei eine Säule der Arbeit, weitere seien Schulungen oder Angebote für Konfirmanden und Jugendliche nach der Konfirmation. "Wir gehen in den Konfirmandenunterricht. Es ist wichtig, hier Kontakte aufzubauen und Angebote zu machen."Kirche ist für Jugendliche eine von vielen Alternativen. Eines sei aber klar: Die Jugendlichen heute lebten in einer säkularisierten Welt. Kirche sei für sie ein Player wie viele. "Wir konkurrieren mit Sportvereinen und Musikschulen. Das muss uns bewusst sein." Stärken der Kirche beziehungsweise des Jugendwerks seien aber die guten Programme und die guten Schulungen, die die Jugendlichen meist begeisterten und die in Bewerbungen viel zählten. "Da sind wir konkurrenzfähig", so Conrad. "Und wir haben die Werte. Danach suchen Jugendliche ja auch."

In der Bezirkssynode begrüßt wurde Cornelia Schmutz, neue Pfarrerin in Marktlustenau, die gleichzeitig das Amt der Mesnerpfarrerin übernommen hat. Sie ist im Kirchenbezirk keine Unbekannte, weil sie bereits in Goldbach als Vikarin gearbeitet hatte. "Ich kenne auch noch einige Gesichter", sagte sie, "das ist schön."

Begrüßt wurde auch Gabriele Matthes-Seeger, die in der kirchlichen Verwaltungsstelle jetzt das Amt der stellvertretenden Bezirksrechnerin ausübt.

Höchstes Gremium des Kirchenbezirks

Die Bezirkssynode ist das höchste Gremium eines Kirchenbezirks, jede Kirchengemeinde ist darin vertreten. Eine Bezirkssynode ist zuständig für den Haushaltsplan des Kirchenbezirks, für Struktur- und Innovationsfragen. Den Vorsitz der Bezirkssynode Crailsheim haben Dekanin Friederike Wagner und Dr. Konrad Wetzel. uts

Auch mal gegen den Strich gebürstet

Marktlustenau / Hans-Peter König/ HT 02.10.2018

Nahezu zweieinhalb Stunden durfte Pfarrer Claus Bischoff am Sonntagnachmittag in der fast voll besetzten Georgskirche in Marktlustenau seinen Abschied aus dem aktiven Dienst feiern und sich feiern lassen – den sich anschließenden „Stehempfang“ im Gemeindehaus noch nicht mitgerechnet. Er bestimmte zunächst den liturgischen Ablauf des Gottesdienstes selbst, der, dem festlichen Anlass entsprechend, durch zahlreiche musikalische Intermezzos veredelt wurde.

Die Feier war stimmig: Ein- und Ausgang wurden durch Johann Sebastian Bachs kirchenmusikalische Kunst bestimmt. Der ehemalige Feuchtwanger Kantor Wolfgang Städter brachte als Präludium Bachs „Air“ zu Gehör und ließ so das wehmütige Thema des Abschieds erklingen.

Lebensmotto des Pfarrers

In seinem Nachspiel symbolisierte er mit Bachs „Jesu bleibet meine Freude“ wohl das Lebensmotto des scheidenden Pfarrers.  Dieser stellte die Worte „Gott ist Liebe. Gott ist Friede. Gott hat uns lieb“ an den Anfang und den Schluss seiner Festpredigt und hob christliche Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Miteinander und Solidarität hervor.

Musikalische Darbietungen aller Art, stets in theologischem Zusammenhang mit der Verabschiedung stehend, wechselten sich ab und gewährten so tiefe Einblicke in das Gemeindegeschehen. „He is always close to you“, verkündigte der Swingkreis unter Leitung von Friedrich Kampf.

Musikalisch machtvoll und sehr feierlich füllten die Posaunenchöre der Kirchengemeinden Marktlustenau und Waldtann unter der Leitung von Karl Ebert mit Georg Philipp Telemanns „Intrada“ den Kirchenraum. Der Singkreis unter Leitung von Bianca Jäckel gab dem scheidenden Pfarrer eine moderne Vertonung von „Sei behütet auf deinen Wegen“ als Wunsch mit, was später auch der Gitarrenkreis „Sang & Klang“ unter Anleitung von Sandra Nanner musikalisch zum Ausdruck brachte. Die teils von der Orgel, teils von den Posaunen begleiteten Gemeindelieder standen ebenfalls in engem Zusammenhang zu den sakralen Aussagen.

Dekanin Friederike Wagner umriss in ihrer „Entpflichtung“ die vielfältigen Aufgabenfelder von Claus Bischoff und entließ ihn in den Ruhestand. Er bleibe, so hob sie hervor, „ordinierter Pfarrer der evangelischen Landeskirche“, er sei nun „frei von dienstlichen Pflichten des Amtes“, könne sich aber stets freiwillig einbringen.

Dem Gottesdienst schloss sich, wiederum durch musikalische Einlagen verziert, eine lange Reihe von Grußworten an.  Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann verglich, dem vergangenen Michaelistag folgend, Bischoff mit dem Erzengel und hob Bischoffs Kämpfernatur hervor, jemand, der Finger in Wunden legte und sich nicht gescheut habe, auch „gegen den Strich zu bürsten“. Launigerweise überreichte er ihm Engelbier.

Der Kreßberger Bürgermeister Robert Fischer würdigte Bischoffs Engagement bei der schwierigen Herausforderung, die beiden Kirchengemeinden Marktlustenau und Waldtann zusammenzuführen und überreichte ihm eine besondere Bibel. Andreas Hoffmann, der Laienvorsitzende der katholischen Kirche, bedankte sich bei dem scheidenden Pfarrer für dessen Bereitschaft, ökumenische Gemeinsamkeiten stets zu fördern.

Rektorin Tilla Klingler würdigte sein schulisches Engagement und seinen stetigen „Blick nach vorne“. Pfarrer Florian Lampadius überreichte ihm einen Meterstab und  ein in abgerundeter Form gestaltetes Kreuz, damit er mit „Maß und Ziel“ weiterschreite,  und würdigte, dass Bishoff mit seiner 18-jährigen Tätigkeit eigentlich zwei Pfarrer-Saisons vor Ort verbracht habe.

Eddie Dänzer und Markus Häffner würdigten Bischoffs Talent  als Motivator und Organisator und stellten fest, dass es mehr Verbindungen zwischen Kirche und Sport gebe, als man vermuten würde. Die Laienvorsitzenden der Kirchengemeinden Marktlustenau, Heidi Gary, und Waldtann, Claudia Beck, ließen den Strukturwandel der Vergangenheit Revue passieren und würdigten Bischoffs  ständige Begleitung unterschiedlichster Bausteine und  sein stetes Bemühen um Gemeinsamkeiten.

Nach einem Liedvortrag überreichten die Kirchengemeinderäte Bischoff eine eigens für ihn geschaffene Bank mit Emblemen der beiden Kirchengemeinden.

Gerührt äußerte der Geehrte in seinem Schlusswort seine große Dankbarkeit und würdigte seinerseits die Unterstützung und Verbundenheit und forderte dazu auf, die Zukunft stets gemeinsam zu gestalten.