Auch mal gegen den Strich gebürstet

Marktlustenau / Hans-Peter König/ HT 02.10.2018

Nahezu zweieinhalb Stunden durfte Pfarrer Claus Bischoff am Sonntagnachmittag in der fast voll besetzten Georgskirche in Marktlustenau seinen Abschied aus dem aktiven Dienst feiern und sich feiern lassen – den sich anschließenden „Stehempfang“ im Gemeindehaus noch nicht mitgerechnet. Er bestimmte zunächst den liturgischen Ablauf des Gottesdienstes selbst, der, dem festlichen Anlass entsprechend, durch zahlreiche musikalische Intermezzos veredelt wurde.

Die Feier war stimmig: Ein- und Ausgang wurden durch Johann Sebastian Bachs kirchenmusikalische Kunst bestimmt. Der ehemalige Feuchtwanger Kantor Wolfgang Städter brachte als Präludium Bachs „Air“ zu Gehör und ließ so das wehmütige Thema des Abschieds erklingen.

Lebensmotto des Pfarrers

In seinem Nachspiel symbolisierte er mit Bachs „Jesu bleibet meine Freude“ wohl das Lebensmotto des scheidenden Pfarrers.  Dieser stellte die Worte „Gott ist Liebe. Gott ist Friede. Gott hat uns lieb“ an den Anfang und den Schluss seiner Festpredigt und hob christliche Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Miteinander und Solidarität hervor.

Musikalische Darbietungen aller Art, stets in theologischem Zusammenhang mit der Verabschiedung stehend, wechselten sich ab und gewährten so tiefe Einblicke in das Gemeindegeschehen. „He is always close to you“, verkündigte der Swingkreis unter Leitung von Friedrich Kampf.

Musikalisch machtvoll und sehr feierlich füllten die Posaunenchöre der Kirchengemeinden Marktlustenau und Waldtann unter der Leitung von Karl Ebert mit Georg Philipp Telemanns „Intrada“ den Kirchenraum. Der Singkreis unter Leitung von Bianca Jäckel gab dem scheidenden Pfarrer eine moderne Vertonung von „Sei behütet auf deinen Wegen“ als Wunsch mit, was später auch der Gitarrenkreis „Sang & Klang“ unter Anleitung von Sandra Nanner musikalisch zum Ausdruck brachte. Die teils von der Orgel, teils von den Posaunen begleiteten Gemeindelieder standen ebenfalls in engem Zusammenhang zu den sakralen Aussagen.

Dekanin Friederike Wagner umriss in ihrer „Entpflichtung“ die vielfältigen Aufgabenfelder von Claus Bischoff und entließ ihn in den Ruhestand. Er bleibe, so hob sie hervor, „ordinierter Pfarrer der evangelischen Landeskirche“, er sei nun „frei von dienstlichen Pflichten des Amtes“, könne sich aber stets freiwillig einbringen.

Dem Gottesdienst schloss sich, wiederum durch musikalische Einlagen verziert, eine lange Reihe von Grußworten an.  Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann verglich, dem vergangenen Michaelistag folgend, Bischoff mit dem Erzengel und hob Bischoffs Kämpfernatur hervor, jemand, der Finger in Wunden legte und sich nicht gescheut habe, auch „gegen den Strich zu bürsten“. Launigerweise überreichte er ihm Engelbier.

Der Kreßberger Bürgermeister Robert Fischer würdigte Bischoffs Engagement bei der schwierigen Herausforderung, die beiden Kirchengemeinden Marktlustenau und Waldtann zusammenzuführen und überreichte ihm eine besondere Bibel. Andreas Hoffmann, der Laienvorsitzende der katholischen Kirche, bedankte sich bei dem scheidenden Pfarrer für dessen Bereitschaft, ökumenische Gemeinsamkeiten stets zu fördern.

Rektorin Tilla Klingler würdigte sein schulisches Engagement und seinen stetigen „Blick nach vorne“. Pfarrer Florian Lampadius überreichte ihm einen Meterstab und  ein in abgerundeter Form gestaltetes Kreuz, damit er mit „Maß und Ziel“ weiterschreite,  und würdigte, dass Bishoff mit seiner 18-jährigen Tätigkeit eigentlich zwei Pfarrer-Saisons vor Ort verbracht habe.

Eddie Dänzer und Markus Häffner würdigten Bischoffs Talent  als Motivator und Organisator und stellten fest, dass es mehr Verbindungen zwischen Kirche und Sport gebe, als man vermuten würde. Die Laienvorsitzenden der Kirchengemeinden Marktlustenau, Heidi Gary, und Waldtann, Claudia Beck, ließen den Strukturwandel der Vergangenheit Revue passieren und würdigten Bischoffs  ständige Begleitung unterschiedlichster Bausteine und  sein stetes Bemühen um Gemeinsamkeiten.

Nach einem Liedvortrag überreichten die Kirchengemeinderäte Bischoff eine eigens für ihn geschaffene Bank mit Emblemen der beiden Kirchengemeinden.

Gerührt äußerte der Geehrte in seinem Schlusswort seine große Dankbarkeit und würdigte seinerseits die Unterstützung und Verbundenheit und forderte dazu auf, die Zukunft stets gemeinsam zu gestalten.