Reformation und Toleranz

 

 

Neue Stele: Für Toleranz und Ökumene

Wer es weiß, sieht es: Der Grundriss der Bonifatiuskirche sieht aus wie ein Davidstern mit abgeschnittener Spitze. Denkt man sich die Spitze wieder hin, steht genau hier die neue Stele des Reformationswegs."

Am Mittwoch wird eine weitere, die nunmehr neunte Stele des Crailsheimer Reformationswegs vorgestellt. Mit dabei: der katholische Weihbischof Dr. Johannes Kreidler aus Rottenburg.

Wer es weiß, sieht es: Der Grundriss der Bonifatiuskirche sieht aus wie ein Davidstern mit abgeschnittener Spitze. Denkt man sich die Spitze wieder hin, steht genau hier die neue Stele des Reformationswegs.

"Am Mittwoch passiert hier etwas, das es so noch nie gegeben hat", kündigte Diakon Werner Branke am Sonntag in der katholischen Dreifaltigkeitskirche an: Weihbischof Dr. Kreidler kommt nach Crailsheim und segnet eine Stele des Reformationswegs."

Ähnliche Worte fand Stadtarchivar Folker Förtsch bei der Vorstellung einer anderen Stele Anfang November: "Das muss man sich schon mal vergegenwärtigen. Da kommt ein katholischer Weihbischof nach Crailsheim, um eine Station eines Reformationswegs zu eröffnen."

Die Rede ist von der Stele vor der Bonifatiuskirche. Sie steht schon seit ein paar Tagen und ist von der Schillerstraße aus gut zu sehen. Wer es weiß, erkennt auch, dass die Stele an einem genau ausgemessenen Punkt steht, erklärt Künstler Rudolf Kurz. Von oben nämlich sieht die Bonifatiuskirche aus wie ein Davidstern - der Grundriss besteht aus zwei ineinandergestellten Dreiecken. Die vordere Spitze, zur Schillerstraße hin, ist allerdings abgeschnitten. Doch denkt man sich das Dreieck vollständig, würde diese Spitze bis auf den Grünstreifen zwischen Kirche und Straße ragen. Genau dort steht jetzt die Stele. "Sie verbindet damit den Kirchenraum mit dem Außenraum", sagt Kurz, der die Bonifatiuskirche ihres Grundrisses wegen "sofort unter Denkmalschutz" stellen würde.

Die Stele hat das Thema "Toleranz", erklärt Diakon Branke, was bedeutet, "nicht nur nebeneinanderherherzuleben, sondern den anderen in Partnerschaft zu begegnen." Auch aus diesem Grund sei es der katholischen Kirchengemeinde klar gewesen, sich am Reformationsweg zu beteiligen, und zwar von Anfang an. Der Weg wurde dadurch zu einer durch und durch ökumenischen Angelegenheit. Denn die katholische Gemeinde arbeitet ja nicht nur in der zuständigen "Arbeitsgemeinschaft Lutherdekade" mit. Es ist auch ein katholischer Künstler, Rudolf Kurz, von den Benediktinern in Scheyern erzogen, der dem Reformationsweg mit seinen Stelen ein unverwechselbares Gesicht gibt. Dieser ökumenische Aspekt war übrigens mit ein Grund, warum Crailsheim unlängst zur "Reformationsstadt Europas" gekürt wurde.

Dem katholischen Engagement für den Reformationsweg wird morgen die, wenn man so will, Krone aufgesetzt: Weihbischof Kreidler reist an. In seinem Beisein wird die neue Stele vorgestellt. Ab 16.30 Uhr gibt es einen Festakt in der St. Bonifatiuskirche. Hinterher lädt die Gemeinde zum Stehempfang ins Gemeindehaus. "Da wird es genügend Gelegenheit zur Begegnung mit dem Bischof geben", sagt Diakon Branke. Und der neue katholische Pfarrer Franz-Josef Konarkowski ist froh, zu Beginn seiner Amtszeit in Crailsheim gleich "ein so starkes Zeichen der Ökumene setzen zu können."

  • Zusatzinfo

Die Stelen, die Stationen und die Nummern

Wenn es um die Nummern der Stelen geht, kursieren zwei Zählweisen. Eine ist am Weg ausgerichtet, der mit Stele Nummer 1 an der Johanniskirche beginnt und mit Stele Nummer 12 am Rathaus endet. Die andere Zählweise listet jene Stelen auf, die bereits stehen. Nach letzterer Zählweise wird die Stele an der Bonifatiuskirche Nummer 9 sein. Dann fehlen nur noch drei Stele

UTE SCHÄFER | 24.11.2015