Religionskriege

 

 

Zehnte Stele des Crailsheimer Reformationswegs vorgestellt

Die Stele, ihre Macher und Sponsoren (von links): Werner und Edeltraud Dierlamm, Bildhauer Rudolf Kurz, Oberbürgermeister Rudolf Michl, Pfarrer Franz-Josef Konarkowski, Diakon Werner Branke und Dekan Dr. Winfried Dalferth. Foto: Ute Schäfer

Der Crailsheimer Reformationsweg hat eine neue Stele, und zwar an einem Ort, der bislang ein Mauerblümchendasein führte. Sie steht außerhalb der Stadtmauer in der Nähe des Diebsturms.

Dieser wirklich lauschige Platz lag zu Unrecht ab vom Schuss: Die Rede ist von der Grünfläche zwischen dem Landratsamt und der Stadtmauer am Diebsturm. Doch nun steht dort die neue Stele des Reformationswegs, die Büsche und das Efeu an der Stadtmauer sind geschnitten, die Parkbank gerichtet, die Sonne scheint, die Blaufelder Straße ist kaum zu hören: Alles wirkt adrett und sehr einladend. "Das ist ja auch einer der Ziele des Reformationswegs", erklärte Stadtarchivar Folker Förtsch den knapp 40 Zuhörern, die dabei sein wollten, als die nunmehr zehnte Stele vorgestellt wurde. "Wir wollten mit dem Reformationsweg auch Orte ins Bewusstsein rücken, die vorher eher am Rande lagen."

Doch die Stele passt auch inhaltlich zur Stadtbefestigung, denn es geht um die Kriege, die die Reformation entfachte - zuerst den Bauernkrieg und dann den Dreißigjährigen Krieg. Das Thema Religionskrieg sei derzeit leider aktueller denn je, sagte Förtsch. "Religion ist auch immer wieder ein Brandbeschleuniger".Deshalb, so zitierte Dekan Dr. Winfried Dalferth Hans Küng, könne es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden geben.Die Stele des Stimpfacher Bildhauers Rudolf Kurz thematisiert genau das - und noch mehr. Zu sehen ist ein Palisadenzaun, den Pfeile durchbrechen - und zwar so, dass sich ein Kreuz ergibt.

Die Stele sollte ursprünglich einen tief gerissenen Stein zeigen, als Symbol für eine Gesellschaft, die sich mit der Reformation teilte, erklärte Bildhauer Kurz. Doch während des Arbeitens sei ihm dies zu endgültig gewesen. "Ich habe gedacht: Nur Teilung, das kann es nicht sein." Und so wurde die reale Ausführung der Stele wesentlich versöhnlicher und damit auch ökumenischer als das ursprüngliche Modell - eine Entwicklung, die auch die Stele am Ehrenfriedhof durchlaufen hatte: Hier hätte die konfessionell unterschiedliche Wahrnehmung des Fegefeuers eigentlich durch einen breiten Riss dargestellt werden sollen. Doch sie zeigt nun die goldene Erlösung, die allen gilt. Und die neue Stele am Diebsturm steht jetzt im Zeichen des allen Christen als Symbol der Gnade gemeinsamen Kreuzes.

"Vor der Stele lässt sich trefflich überlegen, wie wir selbst für eine friedlichere Umgebung eintreten können", sagte Dekan Dalferth, "sie lädt zum Meditieren ein. Hier steht die Bank."

Info Die letzten beiden Stelen werden am Samstag, 29. Oktober, eingeweiht - und nicht, wie im Programmheft ursprünglich abgedruckt, am 28. Oktober.

UTE SCHÄFER | 11.03.2016 HT