Reformation zwischen Freiheit und Obrigkeit

v. l.: Dekan Dr. Winfried Dalferth, Oberbürgermeister Rudolf Michl, Sparkassenchef Thomas Lützelberger und Bildhauer Rudolf Kurz.

Die fünfte Stele steht: Reformationsweg in Crailsheim nimmt langsam Gestalt an

Der Crailsheimer Reformationsweg hat am Sonntag nach einem ökumenischen Gottesdienst seine fünfte Stele bekommen. Sponsor ist die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim. Der Standort: das alte Schloss.

"Eine Selbstverständlichkeit, dass wir beim Crailsheimer Reformationsweg mitmachen", sagte Sparkassenchef Thomas Lützelberger. Crailsheim sei für ihn "die reformatorischste Stadt im Landkreis. Deshalb kann der Reformationsweg auch nur hier entstehen." Kein Wunder also, dass das Crailsheimer Stadtwappen in der Wittenberger Kirche prange - als Zeichen für eine sehr frühe Reformation. Dies habe er schon mit eigenen Augen gesehen. Thema dieses Teils des Reformationswegs ist "ein dunkles Kapitel der Reformation", erläuterte Dekan Dr. Winfried Dalferth. "Es bezieht sich auf das Verhältnis von Reformation und Obrigkeit." Denn die Reformation stehe auch für den Riss, der nach der Reformation durch die Gesellschaft ging. Schließlich waren die Bauernkriege eine der Folgen, und da habe sich Luther nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dalferth: "Es macht uns heute betroffen, dass sich Luther nicht auf die Seite der Bauern, sondern auf die der Obrigkeit gestellt hat."

Nicht ohne Grund steht nun die Stele dort, wo früher das Crailsheimer Schloss stand - und dessen Schlossherrn mitverantwortlich dafür waren, dass Crailsheim so früh - früher als Hall und viel früher noch als die Städte in Württemberg - evangelisch geworden ist.
Alle bestehen aus dem gleichen Dreck

Der Bildhauer Rudolf Kurz hat diesen Riss in einem heimischen Sandstein verdeutlicht. Ein großer Potentat steht da dem kleinen Volk gegenüber. "Doch sie sind alle aus einem Stein gemacht. Haben dieselbe steinerne Wurzel", sagte Kurz. Und als sich während des Hauens der Steinschotter am Fuß der Stele sammelte, "da hat man nicht mehr gesehen, ob der Staub von der Seite des Volks oder von der des Herrschers kam. Das zeigt: Alle bestehen aus dem gleichen Dreck. Und werden wieder zu gleichem Dreck." Auch das solle die Stele zeigen.

"Cuius regio, euis religio" heißt der entsprechende Spruch, der auch auf der Bronzetafel neben der Stele zu sehen ist. Auf Deutsch: "Wessen Gebiet, dessen Religion."

Bildhauer Rudolf Kurz, aus dem katholischen Stimpfach stammend, fand es immer schon unglaublich, "dass da zum Beispiel ein Bach eine Grenze ist. Und auf der einen Seite müssen die Leute so denken und auf der anderen Seite so." Denn auch für diesen Riss durchs Land steht die Reformation.

Der Reformationsweg hat damit die fünfte von zwölf Stelen erhalten. Die Hälfte des Wegs ist mit der nächsten Stele erreicht. Am 26. März wird die sechste Stele am Platz der Synagoge in der Adam-Weiß-Straße aufgerichtet. Auch sie beschäftigt sich mit einem dunklen Kapitel der Reformation: mit dem Thema "Reformation und Juden".

UTE SCHÄFER | 10.02.2015/HT

 

 

Zwischen Freiheit und Obrigkeit

Stadtblatt 43 - 24.10.2013