Kirche - was ist das eigentlich ?

Am 23. Juli feiern wir Kirchweih, am 31. Oktober 500 Jahre Reformation. Wir machen uns aufgrund des Pfarrplans im Kirchenbezirk Gedanken, wie Kirche 2030 aussieht. es gibt also Anlass genug, sich einmal zu fragen: Was bedeutet das eigentlich: „Kirche“?


Ich habe die Konfirmanden in ihrer ersten Konfi-Stunde gefragt: „Kirche ist ein besonderes Bauwerk mit einem Turm und einer besonderen Atmosphäre.“ „ Dort gibt es Altar, Kanzel und Taufstein.“
Als besondere Momente in einer Kirche fallen ihnen ihre Taufe ein, und Tauf-/Konfirmationsfeste von Freunden und Verwandten.


Verständlich, denn die Kirche ist für Menschen und ihre Familiengeschichte wichtig. Ja man kann sagen, sie ist der Ort, wo das eigene Leben ins Licht der Liebe Gottes gerät: wenn ein Kind getauft wird, Paare sich ihr Ja-Wort fürs Leben geben, ein Angehöriger zu Grabe getragen wird.


Und auch im ganz alltäglichen Leben ist die Kirche der Ort, wo Gottes Wort verkündet und Gottes Nähe erfahren wird. Darum ist die Kirche ja bis heute ein unverzichtbarer Faktor im Leben vieler Menschen – und wird es meiner Meinung nach auch bleiben – auch wenn der Kirchenbesuch eher weniger denn mehr wird.


Aber die Kirche ist nicht nur ein Gebäude. Das wäre deutlich zu kurz gegriffen. Kirche – das sind Menschen – du und ich. In der Taufe sind wir Mitglieder der Kirche geworden, Glieder am Leib Christi. Wir gehören zu Gott. Nicht wie in einem Verein oder ähnlichem. In der Kirche gehören wir zusammen, weil Gott uns gerufen hat, weil er unser Vater ist und wir in Christus Schwestern und brüder sind. es ist egal wo wir herkommen, aus welchem Land, welcher Stadt, welchem Dorf, ob wir reich, arm, groß oder klein, was unsere Vorlieben oder Interessen sind. Zur Kirche gehören die unterschiedlichsten Menschen – weltweit
durch den Glauben vereint. So hat es Christus selbst gewollt.


Seinen Jüngern hat er aufgetragen: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker.“ Und so gibt es die Kirche auf dem ganzen bewohnten erdkreis – auf griechisch: Oikumene (bewohnte Welt). Die Ökumene gehört also zum Wesen der Kirche! Kirche ist nicht als etwas Trennendes zu denken. Auch Martin Luther wollte keine Kirchenspaltung, sondern eine reformation, eine erneuerung der Kirche. Daran sollten wir im Jahr des reformationsjubiläums auch denken, genauso wie bei Pfarrplan-Überlegungen oder im ganz normalen Alltag.


evangelisch heißt: Die Kirche orientiert sich allein an der frohen Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist und uns im Evangelium bezeugt ist. Und ökumenisch heißt: die Kirche ist weltweit und baut keine Schranken und Grenzen auf, die menschlichen Machtansprüchen entsprungen sind. Und das ist eigentlich auch mit dem Wort „katholisch“ gemeint. Die Kirche ist also nicht Menschen, sondern Gottes Werk. Sie existiert nicht, weil Menschen sie wollen, sondern, weil Christus verheißen hat, dass er sich da finden lässt, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind.


In diesem Sinne: Herzlich willkommen in unserer Liebfrauenkirche – zwei, drei und mehr.


Herzlich willkommen in der Gemeinde, in der Gemeinschaft aller Gläubigen weltweit, am Kirchweihfest und jederzeit, lasst uns darauf vertrauen: Christus ist in unser Mitte!


Herzliche Grüße!
Ihre Pfarrerin Inga Keller