Geistliches Wort

Gott spricht:

"Ich will dem durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

(Off 21,6)


Hier gibt’s was umsonst!

Die doppeldeutigkeit im Wort (gratis und vergeblich) lässt anklingen, dass das so eine Sache ist mit dem „Umsonst“ – irgendwie kommt der Mensch damit nicht so gut klar…

Gibt’s was umsonst schrillen bei vielen die Alarmglocken. Schließlich ist es doch meistens so, dass da irgendwo ein Haken ist – oben steht 0 euro – unten im Kleingedruckten steht dann der teure Vertrag, aus dem man nicht mehr rauskommt, was mit verkauft wird oder einem sonst irgendwie angedreht wird. Wenn etwas wertvolles „umsonst“ angeboten wird – dann gilt es doppelt und dreifach hinzuschauen … meistens stimmt dann etwas nicht. denn: Was nichts kostet, ist nichts wert, oder?

Wenn es aber wirklich etwas „umsonst“ gibt, ohne jeden Hintergedanken, dann erlebt man bei den Beschenkten oft zweierlei Reaktionen:

Den einen ist es regelrecht peinlich: „das wäre doch nicht nötig gewesen. das kann ich doch gar nicht annehmen!“ Sie wollen es irgendwie wiedergutmachen und am Ende doch
etwas bezahlen oder etwas „zurückschenken“. Sie fühlen sich nicht wohl, irgendwie in der Bringschuld einer Gegenleistung.

Die anderen, können gar nicht genug bekommen. Sie fangen an zu raffen, so viel nur geht: Es ist ja umsonst. da wird das Geschenkte schnell zur Selbstverständlichkeit. Wertlos. dankbarkeit ist nicht zu erwarten. Vielmehr entwickelt der Beschenkte eine Anspruchshaltung, erst recht, wenn das umsonst zu bekommende aus einer nicht versiegenden Quelle kommt. Da kann man abräumen …

Reaktionen, Verhaltensweisen, die sich gar nicht so sehr unterscheiden, wie es auf vielleicht auf den ersten Blick scheint. bei Beiden wird deutlich: die Beschenkten können mit Geschenken und „Gnade“ wenig anfangen. Aber darum geht es letztlich. Wo etwas verschenkt wird und „umsonst“ ist, da ergeht Gnade vor Recht. Aber mit der „Gnade“ ist es eben auch so eine Sache - schon das Wort ist fast aus unserem Sprachschatz verschwunden. Und das bedeutet meistens, dass es auch um die damit bezeichnete Sache nicht zum Besten steht. Gnadenloses Verhältnis, gnadenloser Wettbewerb – in der Verneinung kommt das Wort noch öfter vor – oder möglicherweise als „Gnadenbrot“ oder „Gnadenschuss“. Aber die Fragen und die Suche dem „gnädigen Gott“, die Martin Luther so umgetrieben hat, die ist ziemlich verstummt.

Für viele ist Gottes Gnade zur Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig aber ist sie auch gar nicht immer so gewollt… denn wo erfahre ich „Gnade“ real und praktisch? „Gnade leben“ oder „mit der Gnade leben“ heißt immer auch eingestehen: Ich kann nicht alles allein tun. Ich bin angewiesen auf Gottes Tun. Und angewiesen sein klingt nicht so gut wie Gnade.

Natürlich bedeutet Gnade ja auch nicht, dass ich gar nichts tun soll oder kann. Es nicht „alles Gnade“. Gerade bei dem Bild Wasser – normales Trinkwasser und Lebendiges Wasser, das Christus schenkt – wird das deutlich. Ja, wir sollen Tränen trocknen, Schmerzen lindern und Durstigen zu trinken geben. Da können wir nichts falsch machen. Das ist eine gute Orientierung für unser Handeln in der Welt. Wenn Gott am ende alle Tränen abwischen wird, können wir ja mit dem Wischen schon mal anfangen. Auch wenn wir wissen: Wir werden das Reich Gottes nicht errichten. Am Ende sind wir auf seine Gnade, sein „Umsonst“ angewiesen.

So lassen sie uns annehmen üben. Und dankbar mit offenen Händen an seine Quelle stellen, uns schöpfen lassen, den Durst stillen, uns an seinem „Umsonst“ erfreuen und erfrischen.

Herzliche Grüße, Pfarrerin Inga Keller