Geistliches Wort

Herbst


Jetzt ist es soweit – der Herbst ist da. Die Tage werden kürzer. Wenn ich morgens mit dem Hund rausgehe, ist es oft noch dunkel und auch schon richtig kalt. Es wird Zeit den Schal und warmen Mantel herzurichten, die Heizung anzumachen. An manchem neblig grauen Tagen, wird es gar nicht wirklich hell. An anderen aber bricht die Sonne morgens durch den Nebel und bringt die Bäume mit ihrer bunten Farbenpracht zum Leuchten. Wunderschön.


Der Herbst ist eine vielschichte Jahreszeit – da ist die erntezeit. Man hofft auf gutes Wetter. es muss angepackt werden, die Ernte eingeholt und eingelagert werden. Arbeit auf Hochtouren.


Dann gehören zum Herbst die leuchtenden Blätter an den Bäumen, die Kinder die Kastanien sammeln und durch Blätterberge stapfen. Das milde Sonnenlicht, manchen Tags so warm, dass man richtig ins Schwitzen kommt und doch zum Genießen. die letzten Sonnenstrahlen in sich einziehen.


Und da ist die Zeit mit den trüben Tagen, mit Nebel und Kälte, Schmuddelwetter, manchmal kommt auch schon Schneematsch. das eben noch so schön gefärbte Laub der Bäume fällt ab und hinterlässt kahle Zweige. Der Garten ist kahl und wird winterfest gemacht, die Natur setzt sich zur ruhe. Alles erscheint dann kalt, grau und dunkel. So ist der Herbst auch ein Symbol für die Vergänglichkeit und das Sterben alles Lebendigen. Dunkelheit, Kälte und trübes Wetter – vielen schlägt es auf das Gemüt und zehrt an den Kräften. Es geht auf das Ende des Kirchenjahres zu mit den Themen Buße, Trauer und Tod. Manche möchten diese Zeit am liebsten überspringen, am liebsten gleich in der heimeligen Advents- und Vorweihnachtszeit ankommen, oder sie entfliehen ganz konkret und flüchten in dieser Zeit in den sonnigen Süden.


Ich mag den Herbst. Ich glaube, dass wir Menschen wie die Natur auch diese Zeit des Herunterfahrens und des Innehaltens brauchen. Die Natur macht Pause und lädt uns Menschen ein, ihr zu folgen. Jetzt ist es auch für uns Zeit ein wenig auszuruhen. Zeit uns bewusst zu machen, dass Abschied und Trauer zum Leben gehören.


Aber auch das ist wieder nur die eine Seite, denn die Natur zeigt uns auch noch etwas anderes. Im Herbst pflanzen wir Tulpenzwiebeln und geben so unserer Hoffnung Ausdruck, dass die Kahlheit nicht ewig bleibt, dass nach dem Herbst und dem Winter wieder ein neuer Anfang im Frühjahr kommt. Und wenn wir ganz genau unter das Herbstlaub schauen, dann sehen wir an den Zweigen winzige kleine Knospen. das Sterben eines Blattes und die darunter steckende Knospe voller Leben weisen uns darauf hin, dass im Sterben schon ein neuer Anfang begründet ist. Die Natur zeigt uns, dass Tod und Neubeginn nah beieinander liegen. Sie zeigt uns auch, dass auch in dunklen Phasen unseres Lebens, in schwierigen Lebenssituationen, in Phasen der Traurigkeit oder Krankheit, im Abschied etwas Neues entstehen will.


Unser Leben steckt voll Veränderungen. Ich liebe die Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – alle sind fantastisch. Jede Zeit hat ihr Wunderbares und Schönes, weil jede Zeit Neues hervorbringt, unsere Sicht auf die Welt und unserer Leben verändert. Und so können wir auch unsere Lebenszeit betrachten. Gott gibt uns die Möglichkeit, jede unserer Jahreszeiten so zu leben, wie er die Kraft dazu gibt. Und dabei ist gewiss, dass er uns begleitet von Anfang an bis wir bei ihm zu Hause angekommen.

 

Herzliche Grüße, Pfarrerin Inga Keller