Den Blick auf die Zukunft gerichtet

Uwe Langsam (links) und Franz-Josef Konarkowski gestalteten den ökumenischen Gottesdienst. © Foto: Ute Schäfer

Es war Pfarrer Franz-­Josef Konarkowski von der Bonifatiusgemeinde, der die Besucher vor der Johanneskirche begrüßte. Der Konzelebrant dieses ökumenischen Gottesdienstes, Pfarrer Uwe Langsam von der Johannesgemeinde, begrüßte später Dr. Christoph Grimmer, der als Oberbürgermeister erstmals beim Gottesdienst zum Stadtfeiertag dabei war. Aber vor allem begrüßte Langsam Familie Scherer, die Thalia Zoe taufen ließ.

„Zum Stadtfeiertag eine Taufe? Das hat mich doch verblüfft“, sagte Pfarrer Konarkowski in seiner Predigt, denn normalerweise sei ein solcher Gottesdienst doch eher dazu da, „damit die Pfarrer sich wegen ihrer ökumenischen Projekte auf die Schulter klopfen“, und um die würdige Vergangenheit der Stadt zu beschwören und den Blick auf die Zukunft zu richten.

Doch genau das, nämlich den Blick auf die Zukunft und die Verantwortung, die die Eltern für ihr Kind hätten, passten sehr gut zum Stadtfeiertag. Denn auch die Bürger hätten Verantwortung für ihre Stadt – gerade beim Glauben an Gott und die Verantwortung, die daraus erwächst. Außerdem: „Alles, was das Kind stärkt, stärkt auch das Gemeinwesen.“

Die Gemeinde traf sich nach dem Gottesdienst gemütlich zum Kirchenkaffee und feierte die Gemeinschaft, sich selbst und natürlich auch den Stadtfeiertag, dessen Gottesdienst von der Fanfare schlechthin einleitet worden war: Die Stadtkapelle unter der Leitung von Franz Matysiak hatte das Preludium zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier gespielt, besser bekannt als Eurovisionshymne. Den Gottesdienst begleitete Bezirkskantor Broer an der Orgel.

HT 5.2.2018/Schäfer

In der evangelischen Landeskirche regt sich Widerstand gegen den Grundsatzbeschluss, homosexuelle Paare nicht zu segnen, auch im Landkreis.

Crailsheim / Ute Schäfer 16.02.2018/ HT

Für Grundsatzbeschlüsse sieht die Verfassung der Synode der evangelischen Landeskirche eine Zweidrittelmehrheit vor. Als die Synodalen im November über die Segnung homosexueller Paare abstimmten, wurde diese Zwei-Drittel-Mehrheit um zwei Stimmen verfehlt. Will heißen: Die überwiegende Mehrheit der Synodalen war zwar dafür, dass die württembergischen Pfarrer homosexuelle Paare in einer offiziellen Amtshandlung segnen dürfen. Doch durchgekommen ist der Antrag trotzdem nicht.

Dabei war von offizieller Trauung nie die Rede – dieses Ansinnen war bereits vorher abgeschmettert worden. Die Segnung als eigene Amtshandlung war ein Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats. Doch selbst die wird es nicht geben, obwohl kein Pfarrer gezwungen worden wäre, Homosexuelle per Amtshandlung zu segnen. „Immer schon hat jeder Pfarrer und jede Pfarrerin das Recht, eine Amtshandlung abzulehnen, die er oder sie nicht mit dem Gewissen vereinbaren kann“, erklärt die Crailsheimer Dekanin Friederike Wagner. Jetzt grummelt es in der evangelischen Landeskirche. Viele Gemeindeglieder können die Entscheidung der Synodalen nicht nachvollziehen, mit der sich die württembergische Landeskirche weniger offen zeigt als so manche andere Landeskirche in Deutschland. In Reaktion auf den Beschluss der Synode meldet sich nun auch die mittlere Leitungsebene der Kirche zu Wort, also die Prälaten und vor allem die Dekane.

Dekanin unterzeichnet Einwurf

„Auch ich bedaure, dass der Antrag auf eine Ordnung für eine Segnung abgelehnt worden ist“, sagt auch die Crailsheimer Dekanin. Deshalb hat auch sie einen „Einwurf“ unterzeichnet, in dem Dekane den Synodalbeschluss bedauern. Von etwa 80 Prozent der Dekane innerhalb der Landeskirche ist die Rede. Aus der Prälatur Heilbronn haben – angeführt von Prälat Harald Stumpf – 17 Dekane und Schuldekane, zwei Dekanstellvertreter und fünf Studienleiter unterzeichnet.

Aus dem Landkreis sind es neben Wagner Dekanin Anne-Kathrin Kruse (Schwäbisch Hall), Dekan Uwe Altenmüller (Gaildorf), Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann (Crailsheim) und Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz (Schwäbisch Hall). Im Einwurf bitten die Unterzeichner dringend darum, doch noch eine entsprechende Amtshandlung zu entwickeln. Wörtlich heißt es: „Ohne eine öffnende Regelung werden wir auf absehbare Zeit mit einer Fülle von schwerwiegenden Gewissenskonflikten konfrontiert werden.“ Will heißen: Pfarrer würden gerne segnen, und tun‘s vielleicht sogar, aber sie dürfen es eigentlich nicht. Eine Segnung als Kasualie ist zwar nicht möglich, betont Dekanin Wagner. Aber: Im seelsorgerlichen Rahmen ist eine Segnung ausdrücklich gestattet. „Das war auch vorher schon so“, erklärt Wagner. Der Unterschied ist klein, aber fein. Denn eine offizielle Amtshandlung – eine Kasualie – ist ein öffentlicher Gottesdienst. Eine Segnung „im seelsorgerlichen Rahmen“ jedoch nicht.

Kaum Anfragen

Insgesamt bedauert Friederike Wagner, dass das Thema so heiß diskutiert wird. „Im Stillen hätte man das vielleicht besser regeln können.“ Und überhaupt bedauert sie, dass dem Thema so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, „denn eine entsprechende Anfrage kommt nicht oft vor“. Viel wichtiger sei es doch zum Beispiel, seine Stimme gegen die Armut zu erheben. „Das betrifft viel mehr Menschen. Und es gibt auch viel mehr Bibelstellen, in denen Gott die Menschen auffordert, etwas gegen Armut oder Ungerechtigkeit zu tun“, unterstreicht die Theologin.

Beide Seiten berufen sich auf die Bibel

Im Umgang mit der Segnung homosexueller Paare berufen sich beide Seiten – die Befürworter und die Gegner – auf die Bibel. Die einen betonen die Bedeutung, die der Ehe zwischen Mann und Frau in der Bibel geschenkt wird und zitieren die Schöpfungsgeschichte („Gott schuf den Menschen als Mann und Frau“, 1. Moses 1, 27). Die anderen betonen, dass Gott die Menschen in ihrer ganzen Vielfalt so geschaffen hat, wie sie sind: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ (1. Kor. 15,10), oder: Die Menschen sind „wunderbar gemacht“ (Ps. 139, 14). uts